Morgens ist die Scheibe beschlagen, am Fensterrahmen glänzt Wasser, in der Fuge zeigen sich dunkle Punkte. Schimmel am Fenster ist im Winter ein häufiges Problem. Er sieht unschön aus, ist nicht ungefährlich und lässt sich meist vermeiden, wenn du weißt, woher die Feuchtigkeit kommt. Dieser Ratgeber erklärt, wie Schimmel entsteht, wie du richtig lüftest und was baulich dahinterstecken kann.
Wie entsteht Schimmel am Fenster?
Schimmel braucht Feuchtigkeit, Wärme und Nahrung (Staub, Tapete, Silikon). Am Fenster treffen zwei Dingen zusammen: Hier ist es im Winter am kältesten, und die Raumluft enthält Feuchtigkeit, du durch Kochen, Duschen, Wäsche und Zimmerpflanzen entsteht. Warme Luft kann viel Feuchtigkeit aufnehmen. Kühlt sie an einer kalten Fläche ab, wird sie „übersättigt” und das Wasser schlägt sich als Kondenswasser nieder. Wo es länger bleibt, siedelt sich Schimmel an.
Typische Stellen sind
die Fuge zwischen Scheibe und Rahmen (Dichtungen, Silikon)
die untere Ecke des Rahmens und die Fensterbank
der Anschluss zwischen Fensterrahmen und Wand (Laibung)
Wände und Ecken in der Nähe des Fensters
Das Kondenswasser an der Scheibe ist dabei ein Warnsignal, kein Schaden. Es zeigt, dass die Luft zu feucht ist. Moderne Fenster mit guter Wärmedämmung beschlagen innen seltener, weil die Scheibe wärmer bleibt. Wenn sie sich trotzdem beschlagen, ist die Raumfeuchte zu hoch.
Schimmel ist aber nicht nur ein optisches Problem. Er kann die Atemwege reizen und Allergien auslösen, und er greift auf Dauer Dichtungen, Tapeten und Putz an. Entferne ihn deshalb früh und kümmere dich um die Ursache.
Kondenswasser entfernen und richtig lüften
Wisch Kondenswasser morgens mit einem Tuch ab, vor allem am Rahmen und an der Fensterbank. Dann folgt der wichtigste Schritt:
Stoßlüften statt Kippen
Ziel ist ein vollständiger Luftaustausch. Dabei wird feuchte Luft durch frische, trockenere Luft ersetzt. Das gelingt nur, wenn das Fenster komplett geöffnet wird. In Kippstellung dauert der Austausch lange, und die Wand rund ums Fenster kühlt genau dort, wo Schimmel entsteht, aus.
Dauer: im Winter etwa 5 bis 10 Minuten, bei milden Temperaturen länger
Häufigkeit: je nach Feuchtegehalt zwei- bis viermal täglich
Querlüften: Öffne gegenüberliegende Fenster oder Türen. Das beschleunigt den Austausch deutlich
Heizung: Dreh das Heizkörperventil während des Lüftens herunter und danach wieder auf. Die Wände speichern die Wärme, der Raum ist nach kurzer Zeit wieder warm
Hygrometer nutzen
Ein Hygrometer zeigt dir die Luftfeuchtigkeit. Werte zwischen 40 und 60 Prozent sind in Ordnung. Liegt der Wert dauerhaft darüber, hilft Lüften. In Schlafzimmern und Kellern lohnt sich ein Gerät besonders.
Je nach Raum unterschiedlich lüften
Schimmel vermeiden durch richtiges Lüften
Raum
Empfehlung
Schlafzimmer
Morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlaf stoßlüften. Nachts gibt der Mensch viel Feuchtigkeit ab. Daher solltest du das Bett nicht direkt nach dem Aufstehen machen, sondern es erst auslüften lassen.
Bad und Küche
Nach dem Duschen, Baden oder Kochen sofort lüften. Tür zum Rest der Wohnung geschlossen halten, damit die Feuchte nicht in kühlere Räume ziehen kann.
Wohnzimmer
Mehrmals täglich stoßlüften, besonders bei vielen Personen oder Zimmerpflanzen.
Wäsche trocknen
Nach Möglichkeit nicht in Wohnräumen. Wenn es nicht anders geht: Raum gut belüften, Tür geschlossen halten, Fenster mehrmals stoßlüften.
Auf Mobilgeräten: Tabelle seitlich wischen, um alle Spalten zu sehen.
Mögliche Gründe für Schimmel im Raum
Zu niedrige Raumtemperatur: Kalte Räume nehmen weniger Feuchtigkeit auf und sind anfälliger. Heize auch wenig genutzte Räume mäßig mit und lasse Türen zu kühleren Räumen geschlossen.
Möbel direkt an der Außenwand: Hinter Schränken kann die Luft nicht zirkulieren. Lass etwa 5 bis 10 cm Abstand.
Vorhänge und Heizkörper: Lange Vorhänge und Fensterbrett-Verbauten blockieren die Warmluft, die an der Scheibe entlangstreichen soll.
Neubaufeuchte: Nach dem Einzug gibt ein neues Haus noch viel Baufeuchte ab. Lüfte im ersten Winter häufiger.
Dichtungen und Entwässerung: Verschmutzte Dichtungen und verstopfte Entwässerungsöffnungen im Rahmen können Wasser stehen lassen. Tipps zu Reinigung und Pflege findest hier.
Wenn die Fenster neu sind: Wärmebrücken und Einbau
Häufig fällt Schimmel nach dem Fenstertausch auf, und viele vermuten, die neuen Fenster seien schuld. Meist liegt es aber nicht am Fenster, sondern an der Wärmebrücke daneben: Die neue Verglasung dämmt viel besser als die alte Wand, und die kälteste Stelle im Raum wandert vom Glas in die Laibung oder die Wandecke. Dort schlägt sich die Feuchtigkeit nieder.
Das passiert besonders häufig, wenn
die Fenster neu sind, aber die Fassade nicht oder nur schlecht gedämmt ist.
der Fensteranschluss an die Wand nicht dicht oder nicht gedämmt ausgeführt wurde.
die Räume durch die dichteren Fenster weniger „mitlüften” als vorher.
Was hilft:
Fachgerechter Einbau: Die Fuge zwischen Fenster und Mauerwerk muss innen luftdicht und außen schlagregendicht, dazwischen gedämmt sein. Ein Einbau in oder nahe der Dämmebene verringert die Wärmebrücke.
Dämmung der Fassade an die Fenster anpassen. Im Idelfall erfolgt beim Fenstertausch auch die Fassadendämmung oder zumindest eine Dämmung der Laibung.
Lüftungsverhalten anpassen, bei Bedarf mit einem Lüftungskonzept oder einer Lüftungsanlage ergänzen.
Halte die Entwässerungsöffnungen im Rahmen frei, damit kein Wasser am Scheibenrand steht.
Lass Fenster fachgerecht einbauen, mit korrekter Verklotzung
Kontrolliere Dichtungen und Beschläge jährlich
Bewahre Rechnung und Garantiebelege auf
Was tun, wenn der Schimmel schon da ist?
Kleine Flächen kannst du mit selbst entfernen, zum Beispiel mit Alkohol oder Spiritus. Trag Handschuhe, lüfte währenddessen und wische mit Einweg-Tüchern, die du umgehend entsorgst. Verzichte auf Chlorreiniger und Sprühnebel. Silikonfugen mit tief sitzendem Schimmel solltest du erneuern, weil sich Schimmel im Material festsetzt.
Größere Flächen oder wiederkehrender Schimmel: Fachbetrieb hinzuziehen. Dann steckt meist eine bauliche Ursache dahinter.
Ursache beheben: Wer nur den Schimmel entfernt und das Lüften oder die Wärmebrücke nicht ändert, bekommt ihn wieder.
Mieter: Schäden dem Vermieter melden und dokumentieren. Er muss klären, ob ein Baumangel vorliegt.
Dein nächster Schritt
Schimmel am Rahmen kannst du mit richtigem Lüften meist selbst in den Griff bekommen. Kehrt er nach dem Fenstertausch immer wieder oder hast du größere Flächen, schauen wir uns das gemeinsam an.